In diesem Blog dokumentiere ich, wie ich im Rahmen meiner Maturitätsarbeit ein Fahrrad aus Bambus anfertige. Das Ziel dieses Projekts ist, ein leichtes, dynamisches und stabiles Fahrrad aus einem nachwachsendem Material, dem Bambus, herzustellen. Ich werde hier auf die technischen Aspekte dieses Themas eingehen und verschiedene Inspirationsquellen aufführen. Dabei will ich Euch einen interessanten Einblick bieten, was es heisst, ein Bambusvelo zu bauen.
Wenn ihr Anregungen, Tipps oder Fragen habt, schreibt einfach einen Kommentar. Viel Spass beim Lesen!
Um den Bambus für das Zusammenbauen vorzubereiten, arbeite ich in der Werkstatt vom Fahrradbau Stolz in Wallisellen. So transportierte ich also letzten Dienstag meine Bambusstangen wiedereinmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Diesmal gibt es kein Video...:)
Werkstatt:
Wie schon früher erwähnt, werde ich den Bambus mit einem Schweissbrenner erhitzen, um ihm möglichst viel Feuchtigkeit zu entziehen und das Harz darin zu härten. Dies hat den Zweck, dass er sich im verbauten Zustand nicht weiter schrumpft. Leider besteht beim Erhitzen die Gefahr, dass er Risse bekommt. Um dem entgegenzuwirken lege ich den Bambus in ein Tuch, sodass er langsamer abkühlt. Hält man Brenner ans Rohr, erhält der Bambus zuerst einen feinen Glanz. Man kann durch die Entfernung der Flamme und die Geschwindigkeit des erhitzten verschiedene Brauntöne bis hin zu ganz schwarz verkohlt erreichen. Man muss dabei darauf achten, dass man mit der Flamme nicht zu lange an der selben Stelle bleibt, da das Rohr dort sonst innert kürzester Zeit schwarz wird und das wollen wir ja nicht. Ich habe festgestellt, dass es am besten geht, wenn ich den Brenner mit einer konstanten Bewegung vom einen Knoten zum nächsten bewege. Dort nehme ich die Flamme weg und gehe wieder zum Ausgangsknoten und mache die nächste Zeile. So verhindere ich, dass das das Rohr aussen verkohlt, die äusserste Schicht wegbrennt und das Muster fleckig wird. So versuchte ich einen möglichst gleichmässigen Farbton zu erzeugen, der sich kurz vor diesem Abblättern der Aussenschicht ansiedeln soll.Wer sich wissenschaftlich mit der Erhitzung von Bambus beschäfftigen möchte, findet hier eine sehr ausführliche Lektüre dazu. Hier nun einige Eindrücke es ganzen...
Heute war ich in der Werkstatt meiner Schule und habe erst kleine Versuche mit Altbambus durchgeführt. Ich tastete mich vorsichtig an die Materie heran, um ihre Eigenheiten zu erkennen und zu verstehen. Zuerst bohrte ich ein Rohr und merkte, dass man Bambus nicht problemlos durchbohren kann. Die erste Wand, in die man ein Loch macht um ins Innere zu gelangen geht noch gut. Will man jedoch auf der anderen Seite hinaus splittert das Bambus und es entsteht kein schönes Loch. Also versuchte ich es damit die Bohrstelle mit einem Klebeband zu umwickeln. Dies führte zwar zu weniger Splitterung, aber wirklich gut ist es auch noch nicht. Ich werde mal schauen wie und wo ich überhaupt bohren muss und die Stelle dann mit einem Nagel vorstechen und beide Wände separat bohren.
Da ich weiss, dass man durch das Bohren eines Loches einen Riss aufhalten kann, dies aber noch nie selbst ausprobiert habe, spaltete ich ein Rohr und schaute, wie der Spalt reagieren würde. Ich kam zu der Erkenntnis, wenn ich das Rohr dort, wo der Riss ist fixiere, zum Beispiel mit einem Schraubstock oder einem Laminat, so kann ich das Rohr extrem weit (bis der dünnere Teil bricht) ausseinander biegen, ohne dass der Stab einreisst. Ohne diese Fixierung nützt ein Loch nur, wenn man die Hälften nicht auseinanderzieht. Doch wieso sollte ich den gespaltenen Bambus überhaupt auseinander reissen? Ich überlege mir, ob ich das Oberrohr nicht ca. 20cm spalte, ein Loch bohre, das Ganze mit Rovings und Epoxyd umwickle und in den Spalt das Sitzrohr führe. Ungefähr so, wie es auf dem vierten Bild zu sehen ist. Dies hätte den Vorteil, dass das Oberrohr besser gegen Torsion geschützt wäre und hinter dem Sitzrohr auf Zug gesichert werden könnte.
Gestern war ich in Hausen bei Brugg im Hortima Bambus aussuchen. Der GrosshändlerHortimasponsert mir diese Tonkinstäbe aus China. Vielen Dank nochmals!
Ein kleiner Teil der riesigen Auswahl an Bambus, die man bei Hortima vorfindet...
Die Wahl des richtigen Bambus
Zuerst musste ich mir überlegen, welche Wandstärken und Durchmesser die Stäbe brauchen. Ich orientierte mich vor allem an den Aussagen dieses Blogs. Er beschreibt das Sitzrohr als das am meisten belastete Rohr und empfiehlt dort eine Wandstärke von mindestens drei Millimetern zu verwenden. Für die anderenRohre rät er zu Wandstärken zwischen 1.5 und 2.5 Millimetern. Ich schaute also im Katalog von Hortima, welche Rohre auf diese Angaben passen und wählte dementsprechend sie aus. Als nächstes stellte sich die Frage, wieviele Bambusstangen ich denn brauchen werde. Da ich sie vor dem Zusammenkleben noch heiss behandle (mehr dazu in wenigen Tagen) und dieser Prozess das Bambus zusammen schrumpfen lässt, besteht die Gefahr, dass Risse entstehen können. Das behandeln mit Hitze mach ich, damit der Bambus im verbauten Rahmen nicht mehr schrumpft und Schädlinge abgetötet werden. Ich rechne mit einem Verlust von gut 60%, auch hergeleitet durch oben genannten Blog. Worauf muss ich achten bei der Wahl des Bambus? Tonkinstäbe aus China, wie ich sie verwende wachsen sehr gerade und regelmässig. Es ist wichtig, dass der Bambus zwischen zwei bis drei Jahre alt ist, wenn er geschnitten wird, da er vorher noch nicht stark genug ist. Man kann den Bambus auch frisch schneiden gehen. Doch muss man ihn anschliessend gute 2 - 3 Monate trocknen zu lassen, damit möglichst alle Flüssigkeit dem Bambus entzogen wird. Wichtig ist auch jedes Rohr sorgfältig auf kleine Risse und Löcher abzusuchen. Damit die Risswahrscheinlichkeit verkleinert wird.
Daten der Bambusstangen: Anzahl - Länge - Innen-/Aussendurchmesser* - Verwendung 5 - 300cm - 40/45 - Sitz-/Ober- und Unterrohr 9 - 300cm - 26/28 - Sitz-/Kettenstreben 1 - 300cm - 30/35 - Verzierung der Anbauteile 1 - 240cm - 18/20 - Verzierung der Anbauteile
*durchschnittliche Werte an der dicksten Stelle.
Die Bambusrohre sind mit Klarsichtfolie an beiden Enden umwickelt um sie besser transportieren zu können. Transport
Etwas wichtiges habe ich gelernt bei diesem Einkauf. 16 jeweils drei Meter lange Bambusstäbe sollte man immer mit einem Auto transportieren und ausnahmsweise auf die Benutzung des öffentlichen Verkehrs verzichten. Man gefährdet nicht nur das Material sondern auch seine Mitmenschen! Es geht schneller als man denkt, dass jemand den Prügel am Kopf hat. Bei meinem Transport ging zum Glück alles gut und niemand durfte ein freundliches tête-à-tête mit den Stangen geniessen, aber in dieser Form würde ich es nicht mehr machen. Zum einen würde ich schauen, dass ich nicht mitten in den Stosszeiten reisen muss. Zum Andern würde ich die Kamera am Bambus befestigen, sodass ich das Bündel besser halten kann, oder ganz aufs filmen während dem Tragen verzichten.
Transport im Bus...
und in der S-Bahn.
Warten am Bahnhof Oerlikon.
Zum Schluss und zur allgemeinen Belustigung das Video, der mühsamen Reise nach Zürich, frisch geschnitten zu der Musik von GadjoLoco.